
Burnout – Ein Symptom, viele Facetten
Burnout hat viele Facetten. Warum sollten sich Führungskräfte damit beschäftigen und welchen Einfluss haben Sie?
Wie oft haben Sie in den letzten Wochen gedacht: “Das kann der nicht.” Vielleicht haben Sie es nicht ausgesprochen. Vielleicht nur gedacht. Doch genau dieser Gedanke könnte einer der größten Bremsklötze für die Entwicklung Ihrer Mitarbeitenden sein. Nicht, weil Ihre Einschätzung grundsätzlich falsch wäre, sondern weil Führungskräfte Menschen häufig nicht so behandeln, wie sie sein könnten, sondern so, wie sie sie bisher erlebt haben.
Meine Frau arbeitet unter anderem als Kindergarten- und Schulfotografin. Vor einigen Jahren brachte eine Erzieherin einen kleinen Jungen zu ihr und sagte:„Paul ist behindert. Das mit dem Schneidersitz auf dem Baumstumpf, das kann der nicht.“
Meine Frau antwortete nur: „Wir schauen mal.“ Sie sprach mit Paul, machte Späße, nahm sich Zeit und schuf eine entspannte Atmosphäre. Wenige Minuten später saß Paul im Schneidersitz vor der Kamera.
Die Erzieherin war sprachlos. Nicht, weil Paul plötzlich gesund geworden war. Sondern weil jemand ihn nicht auf seine bisherigen Grenzen reduziert hatte.
Diese Geschichte hat mich lange beschäftigt. Nicht wegen Paul, sondern wegen uns. Wie oft entscheiden wir als Führungskraft bereits im Voraus, was ein Mensch kann – und was nicht?
Vielleicht stimmen manche dieser Einschätzungen, vielleicht aber auch nicht. Denn jeder Mensch verhält sich in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich. Und genau deshalb ist Führung so anspruchsvoll.
Wenn ich überzeugt bin, dass ein Mitarbeiter ohnehin scheitern wird, werde ich ihn anders führen. Ich erkläre mehr, kontrolliere häufiger, ich übernehme vorsichtshalber Aufgaben selbst und traue ihm weniger zu.
Und genau dadurch erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, dass sich meine ursprüngliche Erwartung bestätigt. Nicht weil der Mitarbeiter unfähig ist, sondern weil mein Führungsverhalten seine Entwicklung begrenzt.
Viele Führungskräfte fragen: Wie kann ich meine Mitarbeitenden entwickeln? Vielleicht beginnt die Entwicklung aber mit einer ganzanderen Frage:
Welches Bild habe ich eigentlich von meinen Mitarbeitenden?
Denn dieses Bild entscheidet darüber,
Moderne Führung bedeutet nicht, Menschen ständig zu motivieren. Sie bedeutet auch nicht, immer bessere Methoden anzuwenden. Moderne Führung beginnt oft viel früher. Sie beginnt mit der Bereitschaft, Menschen nicht auf ihre Vergangenheit zu reduzieren.
Vielleicht liegt das größte Potenzial Ihrer Mitarbeitenden gar nicht verborgen in neuen Seminaren oder besseren Prozessen. Vielleicht liegt es in der Art, wie Sie sie sehen.
Denn Menschen wachsen erstaunlich oft in das Bild hinein, das ihre Führungskraft von ihnen hat.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
„Was wäre möglich, wenn ich aufhören würde, ihn auf das zu begrenzen, was ich bisher von ihm gesehen habe?”
Genau mit solchen Fragen beginnt moderne Führung. Und genau darum geht es im Intensivtraining „Führung geht heute anders“.

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