Weiß Ihr Mitarbeitender, welche Bedeutung er hat?
Vertrauen stärkt die Teamkultur

Warum Bedeutung ein unterschätzter Hebel wirksamer Führung ist? – Wann haben Sie einem Mitarbeiter zuletzt gesagt, warum er für Ihr Team wichtig ist? Nicht, was er gut gemacht hat. Nicht, dass Sie mit seiner Leistung zufrieden sind. Nicht, dass das letzte Projekt erfolgreich war. Sondern warum es einen Unterschied macht, dass genau dieser Mensch Teil Ihres Teams ist.

Viele Führungskräfte dürften bei dieser Frage ins Nachdenken kommen. Wir sprechen über Ziele, Aufgaben, Fehler, Ergebnisse und Entwicklung. Wir geben Feedback und gelegentlich auch Anerkennung. Aber sprechen wir darüber, welche Bedeutung ein Mensch und sein Beitrag für andere hat? Vielleicht unterschätzen wir damit einen der stärksten Hebel von Führung.

Kernaussagen

  • Menschen wollen nicht nur wissen, dass ihr Beitrag einen Unterschied macht.
  • Bedeutung entsteht, wenn Führungskräfte konkret sichtbar machen, wofür ein Mitarbeiter gebraucht wird und was durch ihn möglich wird.
  • Viele Führungskräfte erkennen den Wert ihrer Mitarbeitenden durchaus – machen ihn ihnen aber viel zu selten bewusst.
  • Wer Bedeutung sichtbar machen will, muss seine Mitarbeitenden wirklich wahrnehmen.
  • Erlebte Bedeutung verbindet zentrale Prinzipien wirksamer Führung: Würdigung, Verbundenheit und Sinnhaftigkeit.
  • Eine Arbeitswelt voller Inspiration entsteht auch in kleinen Momenten – beispielsweise dann, wenn ein Mensch erfährt, warum es einen Unterschied macht, dass gerade er Teil des Teams ist.

Menschen wollen erleben, dass sie einen Unterschied machen

Stellen Sie sich einen Mitarbeiter vor, der morgens zur Arbeit kommt und weiß, welche Aufgaben auf ihn warten. Er kennt seine Stellenbeschreibung, seine Ziele und seine Termine. Vielleicht weiß er sogar ziemlich genau, was seine Führungskraft von ihm erwartet. Aber weiß er auch, wofür er gebraucht wird?

Weiß er, wem seine Arbeit hilft? Was ohne seinen Beitrag schwieriger wäre? Welchen Unterschied seine Erfahrung, seine Verlässlichkeit, seine Ideen oder seine besondere Art für andere Menschen machen? Das ist etwas anderes als Aufgabenklarheit.

Menschen wollen nicht nur beschäftigt sein. Sie wollen erleben, dass ihr Handeln Wirkung entfaltet. Dass ihr Beitrag wahrgenommen wird. Dass sie dazugehören und für andere Menschen oder ein gemeinsames Ergebnis bedeutsam sind.

Genau hier berühren sich mehrere Gestaltungsprinzipien der Neurologischen Führung: Würdigung, Verbundenheit und Sinnhaftigkeit.

Warum Lob allein nicht genügt

„Gut gemacht.“

„Danke für Ihren Einsatz.“

„Mit Ihrer Leistung bin ich sehr zufrieden.“

Solche Aussagen sind wichtig. Aber sie beziehen sich zunächst auf eine Leistung oder ein Verhalten. Bedeutung geht einen Schritt weiter. Stellen Sie sich vor, Ihre Führungskraft sagt Ihnen:

„Auf Sie kann ich mich verlassen, wenn es schwierig wird. Sie schaffen es immer wieder, Ruhe in Situationen zu bringen, in denen andere bereits hektisch werden. Das ist für unser Team enorm wertvoll.“

Oder:

„Ihre Fragen in unseren Besprechungen sind manchmal unbequem. Aber genau deshalb sind sie wichtig. Sie bringen uns dazu, Dinge zu hinterfragen, die wir sonst möglicherweise einfach durchgewunken hätten.“

Was passiert in diesem Moment? Die Führungskraft bewertet nicht lediglich eine einzelne Leistung. Sie macht sichtbar, welchen Unterschied dieser Mensch für das gemeinsame Ergebnis macht. Und genau darin liegt eine besondere Qualität von Führung.

Wissen Ihre Mitarbeitenden, wofür sie gebraucht werden?

Führungskräfte gehen häufig davon aus, dass ihre Mitarbeitenden ihre Bedeutung selbst erkennen. Schließlich haben sie einen Arbeitsplatz. Sie bekommen Aufgaben übertragen. Sie werden zu Meetings eingeladen und erhalten am Monatsende ihr Gehalt. Wenn etwas nicht funktioniert, würde man es ihnen schließlich sagen.

Aber woher soll ein Mitarbeiter wissen, was Sie in ihm sehen, wenn Sie es ihm niemals sagen?

Vielleicht erleben Sie einen Mitarbeiter als denjenigen, der ein Team immer wieder zusammenbringt. Vielleicht schätzen Sie eine Mitarbeiterin besonders für ihre Hartnäckigkeit. Ein anderer entdeckt Fehler, bevor daraus Probleme entstehen. Und wieder jemand schafft es, mit einem schwierigen Kunden eine Beziehung aufzubauen, an der andere längst gescheitert wären.

Sie sehen diese Dinge möglicherweise jeden Tag. Ihr Mitarbeiter sieht sie deshalb noch lange nicht.

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Führung macht Bedeutung sichtbar

Das bedeutet nicht, Mitarbeitenden permanent zu erzählen, wie großartig sie sind. Und es geht erst recht nicht darum, künstlich Bedeutung zu erzeugen oder Menschen mit Anerkennung zu manipulieren. Bedeutung muss glaubwürdig sein.

Die Aufgabe der Führungskraft besteht deshalb nicht darin, einem Menschen Bedeutung zu „geben“. Sie kann vielmehr sichtbar machen, wo dieser Mensch bereits einen wertvollen Unterschied macht. Das verlangt Aufmerksamkeit.

Wer seine Mitarbeitenden überwiegend als Ressourcen betrachtet, sieht Aufgaben, Kapazitäten und Ergebnisse. Wer Menschen wirklich beobachtet, erkennt darüber hinaus individuelle Beiträge, Stärken und Wirkungen.

Und damit verändert sich möglicherweise auch die Führungsfrage.

Nicht mehr nur: „Was hat mein Mitarbeiter geleistet?“, sondern:

„Was wird durch diesen Menschen möglich?“

Eine kleine Übung mit möglicherweise großer Wirkung

Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit und schreiben Sie die Namen Ihrer direkt unterstellten Mitarbeitenden auf. Beantworten Sie anschließend für jeden einzelnen Menschen drei Fragen:

  • Was würde uns fehlen, wenn dieser Mensch morgen nicht mehr Teil unseres Teams wäre?
  • Welchen besonderen Beitrag leistet er, der über die reine Erledigung seiner Aufgaben hinausgeht?
  • Wann habe ich ihm das zuletzt gesagt?

Die dritte Frage könnte die unangenehmste sein. Und wenn Ihnen bei einem Mitarbeiter auf die ersten beiden Fragen überhaupt nichts einfällt, sollten Sie nicht vorschnell über diesen Mitarbeiter urteilen. Vielleicht sollten Sie zunächst über Ihre eigene Wahrnehmung nachdenken.

Bedeutung verändert den Blick auf Arbeit

Stellen Sie sich einen Verantwortungsbereich vor, in dem jeder Mitarbeiter weiß, warum sein Beitrag wichtig ist. Menschen wissen, wofür sie gebraucht werden. Sie kennen nicht nur ihre Aufgaben, sondern verstehen ihre Wirkung auf Kollegen, Kunden, Ergebnisse oder das gemeinsame Anliegen. Dann verändert sich Arbeit. Aus „Ich muss diese Aufgabe erledigen“ kann „Mein Beitrag wird gebraucht“ werden.

Aus Zugehörigkeit kann Verbundenheit entstehen. Aus einer Tätigkeit kann Wirksamkeit werden. Und aus einem Arbeitsplatz kann ein Ort werden, an dem Menschen erleben, dass sie etwas beitragen können, das über die bloße Erledigung ihrer Aufgaben hinausgeht.

Das bedeutet nicht, dass plötzlich jede Aufgabe Freude macht. Auch in einer inspirierenden Arbeitswelt gibt es Routinen, Probleme, Konflikte und unangenehme Aufgaben. Aber es macht einen Unterschied, ob ich nur arbeite – oder weiß, wofür und für wen mein Beitrag einen Unterschied macht.

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Eine Führungsfrage für heute

Vielleicht brauchen Sie dafür kein neues Führungsinstrument, kein zusätzliches Meeting und keinen weiteren Prozess. Vielleicht brauchen Sie heute nur fünf Minuten.

Gehen Sie zu einem Ihrer Mitarbeiter und sagen Sie ihm nicht, was er besser machen könnte. Sagen Sie ihm auch nicht einfach, dass Sie zufrieden mit ihm sind. Sagen Sie ihm, warum Sie froh sind, dass genau er Teil Ihres Teams ist.

Und dann erklären Sie ihm, welchen Unterschied er macht. Vielleicht ist genau das einer jener kleinen Momente von Führung, aus denen eine Arbeitswelt voller Inspiration entsteht.

Und ein kleiner Tipp ganz zum Schluss: Wenn Sie das dann getan haben, fühlen Sie doch mal in sich selbst hinein, wie es Ihnen damit geht.

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