Menschen wollen erleben, dass sie einen Unterschied machen
Stellen Sie sich einen Mitarbeiter vor, der morgens zur Arbeit kommt und weiß, welche Aufgaben auf ihn warten. Er kennt seine Stellenbeschreibung, seine Ziele und seine Termine. Vielleicht weiß er sogar ziemlich genau, was seine Führungskraft von ihm erwartet. Aber weiß er auch, wofür er gebraucht wird?
Weiß er, wem seine Arbeit hilft? Was ohne seinen Beitrag schwieriger wäre? Welchen Unterschied seine Erfahrung, seine Verlässlichkeit, seine Ideen oder seine besondere Art für andere Menschen machen? Das ist etwas anderes als Aufgabenklarheit.
Menschen wollen nicht nur beschäftigt sein. Sie wollen erleben, dass ihr Handeln Wirkung entfaltet. Dass ihr Beitrag wahrgenommen wird. Dass sie dazugehören und für andere Menschen oder ein gemeinsames Ergebnis bedeutsam sind.
Genau hier berühren sich mehrere Gestaltungsprinzipien der Neurologischen Führung: Würdigung, Verbundenheit und Sinnhaftigkeit.
Warum Lob allein nicht genügt
„Gut gemacht.“
„Danke für Ihren Einsatz.“
„Mit Ihrer Leistung bin ich sehr zufrieden.“
Solche Aussagen sind wichtig. Aber sie beziehen sich zunächst auf eine Leistung oder ein Verhalten. Bedeutung geht einen Schritt weiter. Stellen Sie sich vor, Ihre Führungskraft sagt Ihnen:
„Auf Sie kann ich mich verlassen, wenn es schwierig wird. Sie schaffen es immer wieder, Ruhe in Situationen zu bringen, in denen andere bereits hektisch werden. Das ist für unser Team enorm wertvoll.“
Oder:
„Ihre Fragen in unseren Besprechungen sind manchmal unbequem. Aber genau deshalb sind sie wichtig. Sie bringen uns dazu, Dinge zu hinterfragen, die wir sonst möglicherweise einfach durchgewunken hätten.“
Was passiert in diesem Moment? Die Führungskraft bewertet nicht lediglich eine einzelne Leistung. Sie macht sichtbar, welchen Unterschied dieser Mensch für das gemeinsame Ergebnis macht. Und genau darin liegt eine besondere Qualität von Führung.
Wissen Ihre Mitarbeitenden, wofür sie gebraucht werden?
Führungskräfte gehen häufig davon aus, dass ihre Mitarbeitenden ihre Bedeutung selbst erkennen. Schließlich haben sie einen Arbeitsplatz. Sie bekommen Aufgaben übertragen. Sie werden zu Meetings eingeladen und erhalten am Monatsende ihr Gehalt. Wenn etwas nicht funktioniert, würde man es ihnen schließlich sagen.
Aber woher soll ein Mitarbeiter wissen, was Sie in ihm sehen, wenn Sie es ihm niemals sagen?
Vielleicht erleben Sie einen Mitarbeiter als denjenigen, der ein Team immer wieder zusammenbringt. Vielleicht schätzen Sie eine Mitarbeiterin besonders für ihre Hartnäckigkeit. Ein anderer entdeckt Fehler, bevor daraus Probleme entstehen. Und wieder jemand schafft es, mit einem schwierigen Kunden eine Beziehung aufzubauen, an der andere längst gescheitert wären.
Sie sehen diese Dinge möglicherweise jeden Tag. Ihr Mitarbeiter sieht sie deshalb noch lange nicht.