Ein Mitarbeiter übernimmt keine Verantwortung, ein anderer widersetzt sich Veränderungen und wieder ein anderer macht seit Jahren nur das, was unbedingt notwendig ist. Und da ist noch der, der wegen jeder Kleinigkeit zu Ihnen kommt, statt selbst eine Entscheidung zu treffen.
Kennen Sie solche Mitarbeitenden?
Haben Sie eine Erklärung für deren Verhalten? Der eine ist nicht motiviert. Der andere hat Angst vor Veränderungen. Der Dritte ist bequem. Und der Vierte ist unselbstständig. Doch stimmt Ihre Erklärung wirklich?
Wir beurteilen Verhalten, dessen Ursachen wir nicht kennen.
Führungskräfte beobachten, was Mitarbeitende tun oder unterlassen. Daraus ziehen sie Schlussfolgerungen über deren Fähigkeiten, Einstellungen oder Persönlichkeit. Das ist sehr menschlich und oft liegen sie damit sogar richtig. Und was, wenn dieser Erklärung falsch ist?
- Was, wenn Ihr angeblich unselbstständiger Mitarbeiter längst gelernt hat, dass seine Entscheidungen sowieso korrigiert werden?
- Was, wenn die vermeintlich unmotivierte Mitarbeiterin schon vor Jahren aufgehört hat, eigene Ideen einzubringen, weil sie damit nie etwas bewirken konnte?
- Was, wenn der angebliche Veränderungsverweigerer gar nicht gegen Veränderung ist, sondern lediglich nicht versteht, wohin sie führen soll?
- Und was, wenn Ihre besonders engagierten Mitarbeitenden längst innerlich resigniert haben, weil sie keine Möglichkeit sehen, ihre Fähigkeiten wirklich einzusetzen?
Dann haben Sie möglicherweise ein Führungsproblem, das Sie bisher für ein Mitarbeiterproblem gehalten haben.
Menschen lassen sich nicht wie Maschinen steuern.
In vielen Unternehmen behandeln wir Führung noch immer so, als ließe sich das Verhalten von Menschen unmittelbar steuern. Wir setzen Ziele, definieren Prozesse, verteilen Aufgaben, kontrollieren Ergebnisse und greifen ein, wenn etwas nicht nach unseren Vorstellungen läuft. Das alles kann notwendig sein, aber reicht es aus, um Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen zu befähigen?
Menschen interpretieren ihre Umwelt. Sie bewerten Situationen vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen. Sie entwickeln Emotionen, Entscheidungen und Verhaltensweisen.
Die Forschung zur Selbstbestimmungstheorie zeigt beispielsweise deutliche Zusammenhänge zwischen dem Erleben von Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit einerseits und Motivation, Wohlbefinden sowie Arbeitsleistung andererseits.
Und die Forschung zur psychologischen Sicherheit macht deutlich, welche Bedeutung das soziale Umfeld dafür hat, ob Menschen Fragen stellen, Fehler ansprechen und gemeinsam lernen.