Belastung macht nicht automatisch krank
Belastungs-Beanspruchungs-Modell

Wir wollen, dass unsere Kinder wachsen. Doch viel zu oft nehmen wir ihnen jede Belastung, jeden Konflikt und jede Herausforderung ab. Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden wachsen. Doch wie oft lösen wir ihre Problem, nehmen ihnen Entscheidungen weg oder springen ein, wenn sie nicht weiter kommen? Ihre Muskeln werden nicht wachsen, wenn Ihr Trainer Ihnen die Gewichte abnimmt. Ihre Kondition wächst nicht, wenn Ihr Lebenspartner für Sie Joggen geht. 

Kernaussagen

  • Belastung macht nicht automatisch krank – entscheidend ist, auf welche Ressourcen und Kompetenzen sie trifft.
  • Menschen brauchen Herausforderungen und Belastungen, um Kompetenzen, Selbstvertrauen und Belastbarkeit zu entwickeln.
  • Führungskräfte, die ihren Mitarbeitenden Probleme, Entscheidungen und Konflikte ständig abnehmen, entlasten kurzfristig – schwächen sie aber langfristig.
  • Wirksame Mitarbeiterentwicklung bedeutet deshalb auch, Verantwortung zu übertragen und zumutbare Belastungen auszuhalten.
  • Quantitative Überlastung sollte reduziert werden – qualitative Herausforderungen sollten bleiben, damit Mitarbeitende daran wachsen können.

Mitarbeiter klagen ganz häufig über Überlastung. Es ist zu viel, zu anstrengend und zu unbequem geworden. Unternehmen passen Arbeitsplätze und -abläufe an, so dass sie angenehm sind und zum Verweilen einladen. Büros werden zu Wohlfühloasen. Pausenräume mit ihren Angebot sind oft besser ausgestattet als durchschnittliche Restaurants.

Ja, das ist klug – Menschen dürfen sich in ihrem Arbeitsumfeld wohlfühlen. Aber es gibt eine Kehrseite, die wir nicht aus den Augen verlieren dürfen. Menschen werden gerne schnell bequem und fordernd.

Belastungen

Unser Leben besteht aus Anspannung und Entspannung, aus Geburt und Tod. In uns wachsen jeden Tag zig Milliarden Zellen neu, in ähnlicher Größenordnung sterben Zellen. Unser Herz spannt sich einige zigmale pro Minute an, um anschließend wieder loszulassen. Jede Fortbewegung besteht aus Muskelanspannung und -entspannung – ansonsten würden wir liegenbleiben. Auch unseren Geist trainieren wir durch Konzentration und Anspannung sowie folgenden entspannenden Phasen. Jeder weiß, dass dauerhafte Anspannung zerstört – dauerhafte Entspannung aber auch. Aus braucht Anspannung und Herausforderung.

Unser Leben – auch unser Berufsleben – braucht Belastungen, Herausforderungen, Probleme, Phasen mit hoher Konzentration und Zeiten, in denen wir uns alleine fühlen und es ausschließlich auf uns ankommt. Wir stehen unter Zeitdruck und erleben Konflikte. Veränderungen belasten uns und wir empfinden Unsicherheit aufgrund der einen oder anderen Entwicklung. Natürlich belastet uns das und wir würden es am liebsten vermeiden.

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Beanspruchung

Ihr Produktionsteam wird aufgeteilt und auf verschiedene anderen Produktionshallen verteilt. Ihre Abteilung zieht in ein anderes Gebäude. Das Aufgabengebiet verschwindet und Ihre Mitarbeitenden müssen sich verändern, umlernen und neue Kompetenzen erwerben. Jetzt werden Sie sehr unterschiedliche Dinge erleben. Der Eine wird vor Freude hüpfen: „Endlich Veränderung, raus aus dem ewigen Trott.“. Der Andere: „Nein, bitte nicht schon wieder. Es ist doch alles gut, so wie es ist.“

Menschen gehen mit den Herausforderungen unterschiedlich um. Und Sie erleben die Belastung sehr unterschiedlich. Der Eine hat Veränderung trainiert, hat Ressouren aufgebaut und Erfahrungen gesammt. Der Andere ist in seiner Komfortzone geblieben und stürzt jetzt in eine Krise. Ihm fehlen die Ressourcen und Kompetenzen. Er hat das nicht trainiert.

Mitarbeiterentwicklung

Damit Mitarbeitende belastbar sind, müssen sie Belastung trainieren. Nehmen Sie Ihren Mitarbeitern jede Problem- oder Konfliktlösung ab und entscheiden Sie ständig für Ihre Mitarbeitenden, bleibt der Trainingseffekt aus. Sie helfen im Augenblick zwar, schwächen langfristig aber Ihre Mitarbeiter.

  • Warum übernehmen Mitarbeiter zu wenig Verantwortung? – Weil Sie diese den Mitarbeitern ständig abnehmen.
  • Warum denken Mitarbeitende nicht selbstständig und treffen in ihrem Rahmen Entscheidungen? – Weil Sie diese für die Mitarbeiter treffen.

Das alles ist sehr ehrenhaft und gut gemeint. Aber Sie schwächen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und schließlich haben Sie nur noch schwache Mitarbeiter, für die Sie immer mehr selbst übernehmen müssen.

Nicht jede Belastung macht krank

Belastungen können krank machen. Wer ständig in einem konfliktären, toxischen Umfeld arbeitet und keine psychologische Sicherheit erfährt, kann unter diesen Bedingungen krank werden. Es geht also nicht darum, den Mitarbeitenden zusätzlich zu belasten, damit er wächst. Es reichen die ganz normalen Anforderungen des Arbeitsplatzes. 

Kann ein Mitarbeiter ein Problem nicht lösen – und das Vermögen ist bei jedem individuell unterschiedlich -, sollten Sie also nicht sagen: „Geh weg und lös es selbst.“ Sie sollten einschätzen können, ob der Mitarbeiter das Problem aus Bequemlichkeit zu Ihnen bringt oder weil er es wirklich nicht lösen kann. Wenn er es wirklich nicht lösen kann, sollten Sie es immer noch nicht übernehmen, sondern Ihren Mitarbeitenden anleiten oder anleiten lassen, dieser Art Probleme zu lösen. Sie sollten vermitteln, dass er sicher ist und Sie hinter ihm stehen.

Immer wieder habe ich von den Grund- oder Gestaltungsprinzipien der Neurologischen Führung gesprochen. Sie unterstützen Mitarbeitende, lassen sie aber in ihrer Verantwortung. Dann können Sie ganz gezielt wachsen. Dann entwickeln Sie ein wirklich starkes Team.

Belastungen können kranken machen – sie können aber auch für Wachstum sorgen. Die Höhe der Belastbarkeit ist aber individuell verschieden. Sie als Führungskraft sollten diese einschätzen können und Schritt für Schritt weiterentwickeln. 

Meine entscheidende Frage ist deshalb:

Wo können Sie Aufgaben und Verantwortungen wieder zurück delegieren, damit Ihre Mitarbeitenden daran wachsen können?

Wenn Mitarbeitende über Überlastung klagen, sollten Sie überlegen, ob es eine quantitative Überlastung ist. Wie können Sie diese Überlastung automatisieren und digitalisieren? Wie kann KI dazu beitragen, dass Mitarbeitende quantitativ entlastet werden? Und welche qualitativen Belastungen können Sie dann auf Ihre Mitarbeitenden übertragen, um zu deren Wachstum beizutragen?

Welche Frage darf ich Ihnen beantworten?

  • Schreiben Sie gerne Ihre Frage unten in die Kommentare. Oder:
  • Schreiben Sie mir eine eMail unter [email protected].

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