Wenn heute über die Zukunft von Führung gesprochen wird, stehen meist diese Begriffe im Mittelpunkt: Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel, Krankenquote, Digitalisierung und die junge Generation.
Ich glaube, wir diskutieren über die falsche Herausforderung. Die eigentliche Herausforderung lautet nicht, mit welcher Arbeitswelt wir es künftig zu tun haben. Die eigentliche Herausforderung lautet:
Führen wir eigentlich noch mit einem Führungsverständnis,
das längst nicht mehr zu dieser Arbeitswelt passt?
Niemand steht morgens auf, um dem Ego des Chefs zu dienen
Viele Führungskräfte erleben heute, dass Mitarbeitende kritischer nachfragen, Entscheidungen hinterfragen und Autorität nicht mehr automatisch akzeptieren. Manche Führungskraft beklagt den fehlenden Respekt. Ich sehe darin etwas anderes. Menschen folgen heute nicht mehr einer Position. Sie folgen einer Idee.
Sie folgen Menschen, die Orientierung geben, Vertrauen schaffen und zeigen, warum sich gemeinsames Engagement lohnt.
Niemand steht morgens auf, um dem Ego seines Vorgesetzten zu dienen. Menschen stehen auf, weil sie etwas Sinnvolles leisten, Verantwortung übernehmen oder Teil von etwas Größerem sein wollen.
Die Frage lautet deshalb
Wofür sollen Menschen mir überhaupt folgen wollen?
Macht verliert an Wirkung
Früher reichte häufig eine Anweisung. Heute reicht sie oft nicht mehr. Natürlich brauchen Unternehmen weiterhin klare Entscheidungen und Konsequenz. Aber Macht allein erzeugt weder Motivation noch Eigenverantwortung.
Wer heute ausschließlich über Hierarchie führt, stellt häufig fest, dass Mitarbeitende zwar Anweisungen befolgen – aber weder mitdenken noch Verantwortung übernehmen. Ein moderner Führungsalltag verlangt deshalb eine andere Form von Einfluss: Nicht weniger Führung, sondern wirksamere Führung.
Verantwortung ersetzt Zuständigkeit
Ich bin in einem großen Industriekonzern groß geworden. Organigramme waren wichtig. Jeder hatte sein Kästchen. Jeder wusste, wofür er zuständig war. Heute beobachte ich etwas anderes.
Erfolgreiche Unternehmen warten immer seltener darauf, dass sich der Zuständige kümmert. Sie brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen. Und das gilt insbesondere für Führungskräfte.
Denn Führung beginnt nicht dort, wo Zuständigkeit verliehen wird. Führung beginnt dort, wo jemand Verantwortung übernimmt.