Das Belastungs-Beanspruchungs-Modell
Das Belastungs-Beanspruchungs-Modell – übrigens in der Norm DIN 10075 definiert – zeigt, dass es zwei wesentliche Stellschrauben gibt, die individuelle Beanspruchungen verursachen: Belastung (zum Beispiel Zeitdruck) und Ressourcen (zum Beispiel Arbeitsmethodik). Und auf beide haben Sie Einfluss, direkt und indirekt.
Sie können natürlich den Zeitdruck reduzieren, Sie können dem Mitarbeitenden bestimmte Aufgaben wegnehmen und ihn dabei laufend unterstützen. Sie können aber auch Ressourcen aufbauen, in dem Sie zum Beispiel arbeitsmethodische Kompetenzen vermitteln. Sie können dem Mitarbeitenden bewusst machen, wo er bereits überall erfolgreich ist und ihm seine spezifischen Stärken zeigen. Und vieles mehr …
Gestaltungsprinzipien der Neurologischen Führung
Die Gestaltungsprinzipien der Neurologischen Führung sind nicht nur motivatorisch wirksam, sondern bauen auch Ressourcen auf, die Mitarbeitende belastbarer machen und damit auch vor psychischen Erkrankungen schützen (nein letztlich verhindern können Sie diese nicht, aber Ihr Einfluss ist durchaus bemerkenswert). Einige dieser Prinzipien will ich hier exemplarisch nennen:
Verstehbarkeit
Menschen sind belastbarer, wenn ihnen klar ist, was von ihnen erwartet wird und warum. Hierzu gehört ein gutes Erwartungsmanagement und die Fähigkeit, Aufgaben gut delegieren zu können. Sie haben es also durchaus in der Hand.
Fokussierung
Ist dem Mitarbeitenden klar, für was das Team und er selbst verantwortlich ist? Kann er in gewissem Umfang selbst Prioritäten setzen und sind die übergeordneten Prioritäten und Ziele klar. Das ist Führungsaufgabe.
Partizipation:
Ist der Mitarbeitende eher Opfer oder kann er im Rahmen seiner Kompetenz und festgelegter Regeln selbst (mit)gestalten und (mit)entscheiden? Hat der Mitarbeitende Einfluss auf die Gestaltung der Abläufe und des Umfeldes?
Verbundenheit
Hat der Mitarbeitende das Gefühl, mit Ihnen und dem gesamten Team verbunden zu sein? Kann er mit anderen koopertieren und ist ihm klar, welche Rolle er im Team spielt?
Vertrauen
Vertrauen Sie und Ihr Unternehmen Ihren Mitarbeitenden oder herrscht eine Misstrauenskultur? Kann der Mitarbeitende Probleme und Fehler offen ansprechen, ohne damit Nachteile befürchten zu müssen?
Psychische Erkrankungen: Motivation und Gesundheit
Es sind die gleichen Bedingungen, die Motivation und Gesundheit bewirken. Nein, Sie sind kein Arzt, kein Therapeut und auch kein Gesundheitsmanager – weder diagnostisch noch therapeutisch. Aber Sie können nach dem Belastungs-Beanspruchungs-Modell die Ressourcen Ihrer Mitarbeiter fördern, mit den Belastungen angemessen umgehen zu können. Sie können Ihre Mitarbeitenden stärken und wachsen lassen – das ist Ihre Führungsaufgabe.
Dieselben Bedingungen, die Motivation beeinflussen, beeinflussen auch den Umgang mit Belastungen. – Motivation und Gesundheit sind zwei Seiten derselben Medaille.
Meine Schlussfrage:
Wenn psychisch bedingte Fehlzeiten in Ihrem Unternehmen steigen: Prüfen Sie dann nur die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter – oder auch die Qualität von Führung?