
Innovation scheitert am relativen Statusverlust
Haben Mitarbeiter gute Ideen, scheitern sie am relativen Statusverlust der Führungskraft – egal, ob sie unterstützt oder verhindert.
Die Bundesregierung plant, dass Beschäftigte künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen. Viele Arbeitgeber begrüßen diesen Schritt. Endlich, so die Hoffnung, ließen sich Missbrauch verhindern und Krankenquoten senken.
Ich glaube, wir diskutieren über die falsche Frage. Die entscheidende Frage lautet nicht: Ab welchem Tag muss ein Mitarbeiter eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen?, sondern:
Warum entscheidet sich ein Mensch morgens überhaupt dafür, zur Arbeit zu gehen – oder eben nicht?
Einer Ihrer Mitarbeiter wacht morgens auf. Es geht ihm nicht besonders gut. Er ist nicht schwer krank, aber auch nicht richtig fit. Er sitzt auf der Bettkante. Jetzt trifft er eine Entscheidung: Aufstehen oder noch einmal unter die Decke?
Genau in diesem Moment spielen viele Gedanken eine Rolle.
Natürlich gibt es Krankheiten, bei denen diese Fragen keine Rolle mehr spielen. Wer mit 39 Grad Fieber im Bett liegt, sollte zu Hause bleiben.
Aber zwischen völlig gesund und eindeutig arbeitsunfähig gibt es einen Bereich, in dem Motivation, Verbundenheit und Führungsqualität durchaus Einfluss auf die Entscheidung haben können.
In der öffentlichen Diskussion wird häufig so getan, als ließe sich das Problem hoher Krankenquoten durch strengere Regeln lösen. Doch Regeln verändern selten Motivation. Sie verändern Verhalten – manchmal sogar in die falsche Richtung.
Wer sich ohnehin krankmelden wollte, wird auch künftig einen Arzt aufsuchen. Wer sich bisher nach zwei Tagen wieder fit genug fühlte, könnte nun gleich für eine ganze Woche krankgeschrieben werden.
Und hoch engagierte Mitarbeitende laufen Gefahr, trotz Krankheit zur Arbeit zu kommen – mit allen bekannten Folgen für ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kolleginnen und Kollegen.
Die Regel mag sich ändern – Die eigentliche Ursache bleibt.
Vielleicht ist das die spannendere Frage.
Warum stehen manche Mitarbeitende trotz einer Erkältung auf, während andere bei vergleichbaren Beschwerden zu Hause bleiben?
Sicher spielen Persönlichkeit, Gesundheitszustand und private Lebensumstände eine Rolle. Aber ebenso spielen Führung, Teamklima, Sinnhaftigkeit der Arbeit und das Gefühl, gebraucht zu werden, eine Rolle.
Menschen gehen nicht ausschließlich wegen ihres Arbeitsvertrages zur Arbeit. Sie gehen auch zur Arbeit wegen ihrer Aufgaben, ihrer Kolleginnen und Kollegen oder ihrer Verantwortung – oder eben nicht.
Viele Unternehmen investieren viel Energie in die Diskussion über Fehlzeiten. Verständlich. Schließlich verursachen hohe Krankenquoten erhebliche Kosten.
Die spannendere Frage lautet jedoch:
Welche Bedingungen schaffen wir eigentlich, damit Menschen gerne Verantwortung übernehmen und leistungsfähig bleiben?
Denn genau dort entsteht langfristig Motivation. Und genau dort beginnt wirksame Führung.
Viele Führungskräfte arbeiten engagierter denn je. Sie lösen Probleme, helfen aus und entlasten ihre Mitarbeitenden. Sie wundern sich gleichzeitig über fehlende Eigenverantwortung, steigende Belastung und hohe Fehlzeiten.
Vielleicht liegt das Problem nicht daran, dass Mitarbeitende und Führungskräfte zu wenig tun.
Vielleicht liegt es daran, dass Führung heute anders funktioniert, als wir lange geglaubt haben.
Genau mit dieser Frage beschäftigen wir uns im eintägigen Intensivtraining „Führung geht heute anders“.
Denn wer die Bedingungen verändert, unter denen Motivation, Verantwortung und Zusammenarbeit entstehen, beeinflusst oft weit mehr als nur die Krankenquote.

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