Wie erleben Ihre Mitarbeitenden eigentlich Ihre Führung?
Mitarbeiter zufrieden - Was genau erleben Ihre Mitarbeitenden?

Warum gute Absichten noch lange keine gute Führungswirkung erzeugen

Die meisten Führungskräfte wollen gute Führungskräfte sein. Sie wollen ihren Mitarbeitenden vertrauen, Verantwortung übertragen, sie entwickeln und wertschätzend mit ihnen umgehen. Wenn ich Führungskräfte frage, was ihnen in der Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitenden wichtig ist, höre ich selten etwas anderes. Und trotzdem erleben Mitarbeitende ihre Führung manchmal völlig anders.

Kernaussagen

  • Mitarbeitende erleben Führung jeden Tag – auch dann, wenn Führungskräfte glauben, gerade gar nicht zu führen.
  • Kleine Begegnungen können mehr Führungswirkung entfalten als große Maßnahmen.
  • Entscheidend ist nicht die Absicht Ihrer Führung, sondern was beim Mitarbeitenden ankommt.
  • Jeder Kontakt kann Vertrauen, Verantwortung und Motivation stärken – oder schwächen.
  • Positive Mitarbeitererlebnisse entstehen nicht durch Dauerlob oder gute Stimmung, sondern durch echtes Interesse, Vertrauen, Klarheit und Bedeutsamkeit.
  • Führung zeigt sich auch darin, wie Mitarbeitende nach einer Begegnung mit ihrer Führungskraft weiterarbeiten.
  • Die entscheidende Frage lautet: Was war heute durch Ihre Führung bei Ihren Mitarbeitenden möglich?

Eine Führungskraft sagt: „Mir ist Eigenverantwortung wichtig.“ Der Mitarbeiter erlebt, dass seine Entscheidung anschließend korrigiert wird.

Eine Führungskraft sagt: „Bei uns darf man Fehler machen.“ Die Mitarbeiterin erlebt nach ihrem nächsten Fehler eine ausführliche Rechtfertigungsrunde.

Eine Führungskraft sagt: „Ich vertraue meinen Mitarbeitern.“ Der Mitarbeiter erlebt zahlreiche Rückfragen, Freigabeschleifen und Kontrollen.

Eine Führungskraft sagt: „Meine Mitarbeiter sind mir wichtig.“ Die Mitarbeiterin erlebt, dass ihr Chef während des Gesprächs nebenher E-Mails liest.

Wer hat jetzt recht?

Führungsabsicht ist nicht Führungswirkung

Vermutlich beide.

Die Führungskraft kann tatsächlich davon überzeugt sein, dass sie ihren Mitarbeitenden vertraut. Vielleicht kontrolliert sie nur deshalb häufiger, weil sie selbst für das Ergebnis verantwortlich gemacht wird. Vielleicht korrigiert sie Entscheidungen, weil sie aufgrund ihrer Erfahrung sofort erkennt, dass es einen besseren Weg gibt. Und vielleicht schaut sie während eines Gesprächs nur deshalb auf das Smartphone, weil sie auf eine wichtige Nachricht wartet.

Alles nachvollziehbar.

Für die Wirkung von Führung ist allerdings nicht nur entscheidend, was Sie beabsichtigen. Entscheidend ist auch, was beim Mitabreitenden ankommt. Das macht Führung anspruchsvoll.

Denn wir beurteilen unser eigenes Verhalten vor dem Hintergrund unserer Absichten. Andere Menschen können unsere Absichten jedoch nicht sehen. Sie erleben unser Verhalten.

Ein ganz gewöhnlicher Dienstag

Stellen Sie sich einen Mitarbeiter vor, der morgens mit einer neuen Idee zu Ihnen kommt. Sie haben bereits zwei Probleme auf dem Tisch, in zehn Minuten beginnt das nächste Meeting und eigentlich wollten Sie vorher noch eine wichtige E-Mail beantworten.

Der Mitarbeiter beginnt zu erzählen. Nach wenigen Sätzen erkennen Sie Schwachstellen in seiner Idee. Sie erklären ihm, warum das vermutlich nicht funktionieren wird, und schlagen einen besseren Weg vor. Das dauert vielleicht drei Minuten.

Aus Ihrer Perspektive haben Sie geholfen. Sie haben den Mitarbeiter vor einem Fehler bewahrt und ihm mit Ihrer Erfahrung eine bessere Lösung gezeigt. Was hat Ihr Mitarbeiter erlebt?

Vielleicht hat er erlebt, dass seine Ideen bei Ihnen wenig Chancen haben. Dass Sie ohnehin die bessere Antwort kennen. Dass es sich nicht lohnt, Dinge selbst weiterzudenken. Beim nächsten Mal kommt er möglicherweise direkt mit der Frage: „Chef, wie soll ich das machen?“

Und irgendwann fragen Sie sich, warum Ihre Mitarbeiter so wenig Eigeninitiative zeigen.

Welche Erfahrungen erzeugen Sie jeden Tag?

Führung entsteht nicht nur in Mitarbeitergesprächen, Workshops oder Jahresgesprächen. Sie entsteht in vielen kleinen Situationen des Arbeitsalltags.

  • Wie reagieren Sie auf eine ungewöhnliche Idee?
  • Was passiert, wenn jemand einen Fehler macht?
  • Wie reagieren Sie, wenn ein Mitarbeiter eine andere Entscheidung trifft, als Sie getroffen hätten?
  • Was geschieht, wenn jemand mit einem Problem in Ihrer Tür steht?
  • Wie aufmerksam sind Sie wirklich, wenn Ihnen jemand etwas erzählt?
  • Und was tun Sie, wenn ein Mitarbeiter etwas außergewöhnlich gut gemacht hat?

Jede einzelne dieser Situationen mag unbedeutend erscheinen. In ihrer Summe prägen sie jedoch, wie Menschen Führung erleben. Und daraus entstehen Erwartungen.

Wer wiederholt erlebt, dass Entscheidungen vom Chef korrigiert werden, wird irgendwann vorsichtiger entscheiden. Wer erlebt, dass Fehler unangenehme Konsequenzen haben, wird versuchen, Fehler zu vermeiden oder zu verbergen. Wer mit seinen Ideen regelmäßig nicht durchdringt, wird irgendwann weniger Ideen einbringen.

Und wer erlebt, dass ihm etwas zugetraut wird, könnte anfangen, sich selbst mehr zuzutrauen.

Leadership Training

Leadership-Training Neurologische FührungMenschen verstehen – Mitarbeiter führen

Neurologische Führung in der Praxis. – Wenn Sie Verhalten verstehen und richtig einordnen, entsteht Wirkung: mehr Eigenverantwortung, mehr Leistung, weniger Reibung. In diesem intensiven Training lernen Sie, wie Sie mit Neurologischer Führung gezielt Einfluss nehmen und das Potenzial Ihrer Mitarbeitenden in echte High Performance übersetzen.

Hier gibt es mehr Informationen …

Gute Führung muss sich nicht immer gut anfühlen

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Ihren Mitarbeitenden jeden Tag möglichst positive Erlebnisse zu verschaffen. Führung ist kein Unterhaltungsprogramm.

Manchmal müssen Sie widersprechen. Manchmal müssen Sie eine unangenehme Rückmeldung geben. Vielleicht müssen Sie eine Entscheidung treffen, die ein Mitarbeiter nicht gut findet. Und möglicherweise müssen Sie auch deutlich machen, dass eine Leistung nicht Ihren Erwartungen entspricht.

Eine Arbeitswelt voller Inspiration ist keine konfliktfreie Arbeitswelt.

Entscheidend ist etwas anderes. Ein Mitarbeiter kann nach einem schwierigen Gespräch nach Hause gehen und trotzdem erlebt haben:

  • Ich wurde ernst genommen.
  • Ich weiß, woran ich bin.
  • Mir wird etwas zugetraut.
  • Ich darf Verantwortung übernehmen.
  • Mein Beitrag spielt eine Rolle.
  • Ich kann hier wachsen.

Vielleicht sind genau das die Mitarbeitererlebnisse, um die es wirklich geht.

Was Führung bei anderen möglich macht

Damit verändert sich auch der Maßstab für gute Führung. Vielleicht sollten Führungskräfte sich weniger häufig fragen, ob sie richtig geführt haben, und häufiger beobachten, was ihre Führung beim anderen bewirkt.

  • Übernehmen Ihre Mitarbeitenden zunehmend Verantwortung oder sichern sie sich immer häufiger bei Ihnen ab?
  • Kommen sie mit eigenen Ideen oder warten sie auf Ihre Vorgaben?
  • Sprechen sie Probleme offen an oder erfahren Sie davon erst, wenn sie nicht mehr zu übersehen sind?
  • Treffen sie Entscheidungen oder landen immer mehr Entscheidungen auf Ihrem Schreibtisch?
  • Wachsen Ihre Mitarbeitenden an ihren Aufgaben – oder wachsen vor allem Sie selbst immer tiefer in deren Aufgaben hinein?

Die Antworten darauf erzählen möglicherweise mehr über Ihre Führungswirkung als Ihre eigene Einschätzung Ihres Führungsverhaltens.

Wie erleben Ihre Mitarbeitenden Ihre Führung?

Das ist vielleicht eine der unangenehmsten Fragen für Führungskräfte. Denn darauf können Sie die Antwort nicht selbst geben. Sie können sich für wertschätzend, vertrauensvoll, partizipativ und entwicklungsorientiert halten. Ob Ihre Mitarbeitenden Ihre Führung tatsächlich so erleben, ist eine andere Frage.

Deshalb lohnt es sich, gelegentlich nicht zu erklären, wie Sie Führung verstehen, sondern Ihre Mitarbeitenden beispielsweise zu fragen:

„Was tue ich, das Ihnen hilft, Verantwortung zu übernehmen?“

„Was tue ich manchmal, das Sie daran hindert?“

Dann sollten Sie allerdings nicht erklären, warum Sie sich so verhalten. Sondern zuhören. Denn zwischen dem, was wir als Führungskräfte beabsichtigen, und dem, was wir bei anderen tatsächlich bewirken, kann eine erstaunlich große Lücke liegen.

Eine Arbeitswelt voller Inspiration entsteht nicht dadurch, dass Führungskräfte perfekte Führung versprechen. Sie entsteht in unzähligen kleinen Begegnungen, in denen Menschen erleben, dass sie ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen können, etwas bewirken und an ihren Aufgaben wachsen dürfen.

Vielleicht ist deshalb die entscheidende Frage am Ende eines Arbeitstages nicht, ob Ihre Mitarbeitenden einen guten Tag hatten, sondern:

Was wurde heute durch Ihre Führung bei Ihren Mitarbeitenden möglich?

Leadership Training

Impulstraining Neurologische FührungFührung geht heute anders

Führungswirkung zurückgewinnen. Mitarbeitende in Verantwortung bringen.  Menschen inspirieren. – 
Entdecken Sie die Anatomie wirksamer Führung und gewinnen Sie Ihre volle FührungsKRAFT zurück.

Hier gibt es mehr Informationen …

Welche Frage darf ich Dir beantworten?

  • Schreibe Deine Frage gerne unten in die Kommentare. Oder:
  • Schreibe mir eine eMail unter [email protected].

Teile gerne auch Deine persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema in den Kommentaren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Beiträge und Impulse …

Leadership Coaching - Business Coaching - Systemisches Coaching
Marcus Hein

Systemisches Coaching: Problemlösung und Entwicklungsinstrument

Coaching hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Coaches kommen auf den Markt, teilweise extrem spezialisiert für ganz konkrete Situationen und Ziele. Für viele Führungskräfte ist es dennoch oft ein unscharfer Begriff: Ist das Beratung? Training? Therapie? Oder einfach ein gutes Gespräch? Vielfach herrscht auch die Meinung, dass man ein Problem

Jetzt lesen ...
Stretch-Ziele oder Stress-Ziele - Wie Führung darauf Einfluss hat.
Marcus Hein

Stretch-Ziele oder Stress-Ziele? Wie Führung entscheidet, was im Kopf passiert

Warum manche Ziele Mitarbeitende anspornen – und andere blockieren. Und wie Du den Unterschied machst. In diesem Beitrag spreche ich über Stretch- und Stress-Ziele und wie Du als Führungskraft darauf Einfluss nimmst. Kernaussagen Ziele sind keine Anweisung – sie sind ein psychologischer Reiz. Das Gehirn liebt Herausforderungen – aber hasst Überforderung. Du als Führungskraft bestimmst,

Jetzt lesen ...
Nach oben scrollen
Blog - Leadership-Impulse - MARCUS HEIN - Akademie für Neurologische Führung
Impulsletter abonnieren

Impulse für exzellente Führungskräfte.

Ihre Anmeldung

Angaben mit * sind Pflichtangaben.

 

Mit Angabe meiner Daten und Absenden der Anmeldung erkläre ich mich einverstanden, den hier bestellten Newsletter per E-Mail zu erhalten. Meine Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen. Weitere ausführliche Informationen in der
Datenschutzerklärung

 
Angaben mit * sind Pflichtangaben.