Impulsletter abonnieren
Impulse für exzellente Führungskräfte.
Sehen Sie Ihre Mitarbeitenden wirklich so, wie sie sind? Oder sehen Sie vor allem das, was Sie ohnehin schon über sie glauben?
Wir Menschen sind überzeugt, unsere Umwelt weitgehend objektiv wahrzunehmen. Wir beobachten, hören zu, sammeln Informationen und bilden uns daraus eine Meinung. Doch so einfach funktioniert unsere Wahrnehmung nicht.
Der Confirmation Bias, auch Bestätigungsfehler genannt, beschreibt unsere Neigung, Informationen bevorzugt so auszuwählen, zu interpretieren und zu erinnern, dass sie unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen. Was unseren Erwartungen widerspricht, beachten wir dagegen häufig weniger oder bewerten es kritischer. Der Grund dafür liegt unter anderem in der Funktionsweise unseres Gehirns.
Unser Gehirn bildet die Wirklichkeit nicht einfach ab. Es konstruiert aus Sinneseindrücken, bisherigen Erfahrungen und Erwartungen ein möglichst plausibles Bild unserer Umwelt.
Dabei verarbeitet es nicht nur Informationen, die von außen kommen. Es nutzt auch und weit überwiegend vorhandenes Wissen und Erwartungen, um Sinneseindrücke einzuordnen. Dieser Prozess dauert weniger als 400 Millisekunden, was dazu beiträgt, dass wir glauben ein vollständiges Bild zu sehen.
Und das ist ausgesprochen sinnvoll. Denn ohne diese Fähigkeit wären wir mit der Informationsflut unserer Umwelt hoffnungslos überfordert.
Problematisch wird es allerdings, wenn wir unsere Interpretation mit der Wirklichkeit selbst verwechseln.
Stellen Sie sich vor, Sie halten einen Mitarbeiter für wenig engagiert. Eines Morgens kommt er zehn Minuten zu spät. „Typisch!“, denken Sie. „Der nimmt seine Arbeit einfach nicht ernst.“
Am nächsten Tag bleibt derselbe Mitarbeiter zwei Stunden länger, um einem Kollegen zu helfen. Nehmen Sie das genauso deutlich wahr? Oder halten Sie es für eine Ausnahme? Vielleicht ist dieser Mitarbeiter tatsächlich wenig engagiert. Vielleicht aber auch nicht.
Entscheidend ist: Sobald wir uns ein Urteil über einen Menschen gebildet haben, neigen wir dazu, bevorzugt die Informationen wahrzunehmen, die dieses Urteil bestätigen.
Das gilt übrigens auch umgekehrt: Bei Mitarbeitenden, die wir besonders schätzen, interpretieren wir dasselbe Verhalten möglicherweise wesentlich wohlwollender und fehlerhaftes Verhalten blenden wir – völlig unbewusst – aus.
Sie können den Confirmation Bias nicht einfach abschalten. Aber Sie können lernen, bewusster mit Ihren eigenen Wahrnehmungen umzugehen.
Drei Fragen helfen dabei:
Gerade die letzte Frage ist entscheidend.
Denn gute Führung bedeutet nicht, mit seinen Einschätzungen immer richtigzuliegen. Gute Führung bedeutet auch, bereit zu sein, sie zu korrigieren.
Welchen Ihrer Mitarbeitenden haben Sie möglicherweise längst in eine Schublade gesteckt – und wann haben Sie zuletzt ernsthaft überprüft, ob Ihr Urteil noch stimmt?
Nickerson, R. S. (1998). Confirmation Bias: A Ubiquitous Phenomenon in Many Guises. Review of General Psychology, 2(2), 175–220.
Clark, A. (2013). Whatever Next? Predictive Brains, Situated Agents, and the Future of Cognitive Science. Behavioral and Brain Sciences, 36(3), 181–204.
Wo begegnet Ihnen dieses psychologische Phänomen in Ihrem Führungsalltag? Welche Fragen oder Gedanken löst es bei Ihnen aus?
Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen und Perspektiven in den Kommentaren. Oder schreiben Sie mir persönlich an [email protected].
Bitte nehmen Sie an meiner kleinen Umfrage zu den Gründen für zu hohe Krankenstände bei. Es sind nur zwei bis drei Minuten Bearbeitungszeit.
Schon jetzt bedanke ich mich für Ihre Unterstützung.
Impulse für exzellente Führungskräfte.